Buch 1      Prolog

 

Im Jahr 2146 präsentiert sich Düsseldorf und seine Umgebung als pulsierende Metropole, eingebettet in eine gewaltige Mega-City, deren Grenzen längst verschwommen sind. Die einst eigenständigen Städte der Region existieren nur noch als Bezirke, erkennbar an den Überbleibseln ihrer Namen. Das Leben spielt sich in zwei Welten ab: Entweder man lebt in der überfüllten, aber hochentwickelten Stadt, die kaum einen Wunsch offenlässt, oder man schlägt sich in einer der wenigen Kolonien außerhalb der urbanen Quartiere durch.

Diese Kolonien bieten keine Idylle, sondern ein karges Dasein in einfachsten Verhältnissen, fernab von Komfort und Luxus. Natur ist hier rar, und der Alltag verlangt Härte und Entbehrung. Doch trotz der Herausforderungen bewahren sich die Bewohner eines: Freiheit. Sie haben sich weitgehend der allgegenwärtigen Überwachung und Kontrolle der Mega-City entzogen – und genau das feiern sie, gegen alle Widrigkeiten.

Es gibt Kombinationen von verschiedenen Möglichkeiten der Mobilität, welche sehr funktional sind. Schwebebahnen und Magnet-Bahnen für die ein Netz entstanden ist, auf dem die Hochgeschwindigkeits-Magnetbahnen ihre Ziele in atemberaubender Geschwindigkeit erreichen können. Die persönlichen Drohnen, die es in vielen verschiedenen Formen gibt, sogar im Retrostyle als fliegende Kutschen oder gar Pferd, sind nun das bevorzugte Fortbewegungsmittel für den Alltag und kürzere Strecken. Sie fahren und fliegen autonom und im Laufe der Jahre haben die Menschen das Fahren von Autos mit Schaltungen endgültig verlernt. Wenn man bedenkt, dass es nur 100 Jahre gedauert hatte, bis manuell bedienbare Gangschaltungen nicht mehr benötigt wurden, kann man sich ein ungefähres Bild davonmachen, wie schnell Dinge in Vergessenheit geraten. Was für 1-2 Generationen an Menschen essentiell erscheint, ist für die Enkel schon Geschichte. Dafür kann man nun auf Dächern landen und es gibt ausgewiesene Landeplätze auf jeden freien Platz. Da man die Parkplätze nicht unbedingt auf dem Boden benötigte und es eher 1-Personen-Kapseln als große Gefährte gibt, wurde jede Menge Fläche frei. Große Distanzen, die früher tagelanges Reisen bedeuteten, kann man nun in sehr kurzer Zeit in unterirdischen Hyperloops erleben. 1000 Kilometer dauern ca. 1 Minute.  Ironischer Weise erreicht man nahe Ziele mit den Mitteln, die zur Verfügung stehen, viel langsamer, als Ziele, die in weiter Ferne liegen. Darum wird sorgfältig abgewogen, ob der Wechsel des Standortes überhaupt notwendig ist, und so wichtig, dass man persönlich erscheinen sollte. Vieles findet nun in virtuellen Räumen statt. Auch das Einkaufen oder das Abhängen mit Freunden. Roboter transportieren alles an Lagerzentren und Verteilungsstationen. Was so entspannt klingt, war und ist ohne den Einsatz von künstlicher Intelligenz nicht möglich. Die Verarbeitung der riesigen Datenmengen und die Organisation von nahezu allem ist und war nach kurzer Zeit nur noch mit KI möglich. Menschliche Kontrolle wäre hier zu langsam und anfällig für Fehler. So hat man sich im Grunde freiwillig in eine totale Abhängigkeit begeben. Ein Komitee überwacht die Sicherheit und das Krisenmanagement. Richtig, dieses Komitee besteht ebenfalls aus KI. Durch Selbstoptimierung und Anpassungsfähigkeit war dies möglich geworden. Der Ausfall und Kollaps der Mobilität hätte so grausame und katastrophale Konsequenzen, dass sich die Frage, ob man sich wirklich vollkommen in die virtuell verdrahtete Hand von KI begeben wollte, nicht mehr stellte. Eine so gigantische urbane Welt benötigt ein präzises Ressourcenmanagement. Denn auch die Überlastung des Stromnetzes muss um jeden Preis verhindert werden. Natürlich gibt es noch Hacker und Widerstandskämpfer, die sich gegen diesen Verlust der Kontrolle des täglichen Lebens zu wehren versuchen. Die Frage ob KI ethisch gesehen immer das Richtige tut, steht noch immer ungelöst im Raum. Es bildeten sich Überwachungs-Komitees, die vor allem ethische Fragen zu entscheiden versuchten. Immer dann, wenn eine KI mit den vorgegebenen Zielen keine Antworten mehr liefern kann. Und, ein Komitee, welches dazu in der Lage war, überhaupt die ethischen Fragen im Vorfeld zu diskutieren und zu stellen, bevor sich die künstliche Intelligenz selbstständig ein Programm schrieb. Privatsphäre gibt es nicht denn KI sammelt alle persönlichen Daten. Schon im 21igsten Jahrhundert sah man darin eine Problematik, die die Freiheit der Menschen zu sehr einzuschränken drohte, aber es gab auch das Gegenlager mit der Meinung „Ich habe ja nichts zu verbergen“. Dieser naive Blick auf die Lage hatte Konsequenzen. Der Missbrauch Ihrer persönlichen Daten beängstigte sie nicht, weil sie an einen demokratischen Staat glaubten, der Sie beschützen würde. All die, denen klar war, dass man Manipulationen ausgesetzt war, von denen man nicht mal merkte, dass sie stattfanden, versuchten sich zu wehren, aber verloren den Kampf bitter. Von Zeit zu Zeit entfacht ein Feuer, sich gegen diese Diktatur der Technologie aufzubäumen. Den allermeisten ist es aber egal oder es war egal geworden. Lernprozesse werden ebenfalls mechanisch durch KI gesteuert. Sie wird automatisch den Bedingungen einzelner Menschen angepasst. Schulen, so wie man sie im klassischen Sinne früher kannte, gibt es nicht mehr. Es ist das größte Problem, Kindern oder überhaupt Menschen den Sinn des Lernens nahezubringen, denn in einer Welt, in denen einem alle Fakten zu jeder Zeit zum Abruf zur Verfügung stehen, muss man sich nichts merken. Und so kam es zu einer Degradierung auf dem Niveau des Wissens, denn tiefes Lernen war nun etwas, was für KI durchaus ein sinnvolles Tool war aber die Menschen schienen faul geworden zu sein und verloren ein bisschen Ihr Geschick für Analysen und Kritik. Wer neben den einfachen Lehrpfaden das Lehrprogramms auch noch Zugang zu tiefgründigem Wissen hatte, war eine Elite. Leider ist Wissen ein Mittel zur Macht und so entwickelt es sich immer mehr in die Richtung, dass es gebildete und ungebildete Bürger gibt. Die Einen, die das Wissen zu einer technologischen Bildungsebene haben und die Anderen. Handwerkliche Fähigkeiten, kreatives Problemlösen oder kritische Auseinandersetzungen mit Geschichte und Philosophie verloren ihre Bedeutung in weiten Teilen der Bevölkerung. Menschen wären aber nicht Menschen, wenn nicht Neugierde und Forschungsdrang, Überleben und das Streben nach Glück instinktiv aus Ihnen fließen würde, wie aus einer Urquelle.

Kunst und Wissenschaft verschmolzen auf eine faszinierende Weise miteinander. Die Stadt, besonders der Bezirk Düsseldorf ist berühmt für seine neuronalen Schnittstellen in der Mensch-Maschine Interaktion und holografischen Technologien, die es ermöglichen, Kunstwerke lebendig zu machen und wissenschaftliche Entdeckungen zu vertiefen.

Die globale Klimaerwärmung und der Treibhauseffekt hatten schon im Jahre 2100 zu einer Erhitzung des Globus um 3,7°C geführt. Die größte Wanderung der Menschheitsgeschichte setzte sich in Bewegung. Viele starben. Große Teile der südlichen Halbkugel wurden unbewohnbar und die Menschen verhungerten, wenn sie zuvor nicht schon verdurstet waren. Dann endlich sorgte eine strengere Klimapolitik dafür, dass sich Industrie und Länder an das mittlerweile Drei-Grad-Ziel des Pariser Klima-Abkommens hielten. Die Erderwärmung fiel aktuell um 0,1°C zurück, auf 4,6 °C. Die Durchschnittstemperatur liegt in Mitteleuropa jetzt bei 35°C und von dem einst so prächtigen Regenwald existieren nur noch 10 %. Dieses Gebiet wird streng überwacht und liefert nicht mehr ausreichend Sauerstoff, so dass man nun zusätzlich etwas in die Atmosphäre pumpen muss.  Die Ozeane sind eine düstere und fremdartige Landschaft. Oberflächlich gesehen, haben die Ozeane durch den anhaltenden Klimawandel und die menschliche Ausbeutung ihre einstige Schönheit und Lebendigkeit verloren. Das Wasser ist wärmer geworden, und die ehemals reichen Ökosysteme an der Oberfläche sind stark dezimiert. Korallenriffe, einst leuchtend und voller Leben, sind nahezu verschwunden. Doch die Tiefsee, die in der Vergangenheit als unerreichbar galt, hat sich als letzter Rückzugsort für eine neue, widerstandsfähige Generation von Meeresbewohnern herausgestellt. Diese Lebewesen haben sich in den tiefsten, kältesten Regionen des Ozeans zurückgezogen und angesiedelt, wo sie vor der Hitze und den zerstörerischen Aktivitäten der Menschen relativ sicher sind. Die extremen Temperaturen an der Oberfläche haben viele Arten entweder in den Tod getrieben oder zu dramatischen Mutationen geführt. Die überlebenden Arten sind nicht nur an die Kälte der Tiefsee angepasst, sondern haben auch Methoden entwickelt, um sich vor den zunehmenden Bedrohungen von außen zu verteidigen. Die mutierten Meeresbewohner sind nicht nur widerstandsfähiger geworden, sondern auch wehrhafter. Sie haben sich biologisch weiterentwickelt, um in dieser rauen Welt zu überleben. Einige Meeresbewohner haben die Fähigkeit entwickelt, starke elektrische Impulse zu erzeugen. Diese sind jedoch weitaus stärker und gezielter als die Fähigkeiten ihrer Vorfahren. Sie können damit Angreifer lähmen oder sogar U-Boote und Drohnen lahmlegen, die versuchen, in ihre Tiefseegebiete einzudringen. Die Dunkelheit in der Tiefe hat zur Entwicklung extrem ausgeklügelter Tarnmechanismen geführt. Einige Tiere können ihre Körper vollständig unsichtbar machen, indem sie Lichtmuster verwenden, die sich perfekt an ihre Umgebung anpassen. Andere haben blendende Lichtblitze entwickelt, die potenzielle Feinde oder Eindringlinge verwirren und desorientieren. Diese Lichtblitze können in der Tiefsee wie Blendgranaten wirken. Viele haben extrem giftige Tentakel, Stacheln oder sogar Schuppen entwickelt, die sofort beim Kontakt tödliche Gifte freisetzen. Diese Gifte können so stark sein, dass sie nicht nur andere Tiere, sondern auch künstliche Materialien, wie die Hüllen von Forschungs-U-Booten, zersetzen können. Einige dieser Meeresbewohner können ihre Tentakel über große Entfernungen ausfahren, um Feinde aus sicherer Entfernung zu töten. Manche Meeresbewohner haben säurehaltige Sekrete entwickelt, die sie auf Feinde spucken oder ausstoßen können. Diese Säuren sind so stark, dass sie selbst die stärksten Legierungen, die für den Unterwasserbau verwendet werden, angreifen können. Diese Tiere können gezielt Säurestrahlen in einem Abwehrverhalten abfeuern. Einige der mutierten Arten haben eine Form der telepathischen Kommunikation entwickelt. Sie können im Schwarm agieren und ihre Angriffe koordinieren, indem sie Gedankenwellen oder bio-elektrische Signale senden, die andere in ihrer Nähe wahrnehmen. Dies macht sie zu überaus effektiven Verteidigern, die kollektiv und taktisch agieren. Die Menschen haben versucht, in diese tiefen Regionen vorzudringen, um Ressourcen zu ernten, aber die neuen, hoch angepassten Meeresbewohner stellen eine unüberwindbare Barriere dar. Diese Regionen gelten als die letzten unberührten Gebiete der Erde, geschützt durch die furchterregenden Verteidigungsmechanismen der dort lebenden Kreaturen. Es ist, als hätten sich die Tiefseebewohner verschworen, ihre Welt um jeden Preis zu verteidigen – und ihre mutierten Körper und Fähigkeiten sind ihre Waffen. Diese Lebewesen sind zu Symbolen der Widerstandsfähigkeit geworden und beweisen, dass das Meer, selbst im Angesicht des menschlichen Eingriffs, unbezwingbare Geheimnisse und Kräfte birgt. Versuche diese Arten in Aquarien zu halten scheiterten alle. Das Leben hat sich dennoch nicht dramatisch verändert. Wenn man die Menschen beobachtete, machten Sie weiter wie bisher. Eine spezielle Schutzkleidung mit modernster Technologie und Kühlsystem konzipiert wurde Standard und ermöglicht eine relativ lange Aufenthaltszeit im Freien. Das Atmen wird durch ein Implantat in der Lunge erleichtert, welches direkt nach der Geburt implantiert wurde und mitwächst. Aktuell wurde es genetisch so erweitert, dass es kaum noch Jemanden gab, der nicht schon mit dieser Technologie geboren wurde, denn es vererbte sich nun weiter. Durch die Temperaturerhöhung hat sich auch Düsseldorf dramatisch verändert. Die Stadt ist zwar technologisch fortgeschritten, aber die ständige Hitze und der Mangel an natürlicher Vegetation haben das Leben dort extrem erschwert. Besonders betroffen ist die Landwirtschaft, die kaum noch existiert. Künstliche Nahrung und Klimaanlagen dominieren den Alltag der Menschen.

Neben der innovativen Glitzerwelt Düsseldorfs gibt es jedoch immer noch geheimnisvolle Orte wie den Sandheider Markt in der Sandheide. Ein vernachlässigter Stadtteil, der für seine herzliche, aber geheimnisvolle Gemeinschaft bekannt ist. Doch in der vernachlässigten Region des Sandheider Markts schlummern unerwartete Überbleibsel der alten Welt.

Doch nicht nur dort wartet etwas Ungewisses. Die Kunst scheint das Einzige zu sein, was wirklich unsterblich ist. Das zeigt sich in ihrer Fähigkeit, über Zeit und Raum hinaus Bedeutung zu bewahren und menschliche Erfahrungen zu reflektieren. Obwohl sich Kulturen, Technologien und Gesellschaften ständig verändern, bleibt Kunst ein beständiges Element des menschlichen Daseins. Kann man doch in Ihr universell Ideen und Erfahrungen ausdrücken, die alle Menschen miteinander teilen. Liebe, Schmerz, Freude, Angst, Hoffnung – diese Gefühle sind seit jeher Teil des menschlichen Lebens und werden durch Kunst auf eine Weise festgehalten, die über Jahrhunderte hinweg verständlich bleibt. Werke wie Michelangelos David oder Beethovens Neunte Symphonie sprechen Menschen noch heute an, weil sie zutiefst menschliche Themen aufgreifen. So blieb doch die Geschichte bewahrt mit all Ihren wichtigen Ereignissen, solange sie von einem Künstler festgehalten wurde und dass über viele Generationen hinweg. Werke wie die Höhlenmalereien von Lascaux oder die Pyramiden von Gizeh sind Zeugnisse vergangener Zivilisationen, die durch ihre Kunstformen unsterblich wurden. Selbst das die Werke im Laufe der Zeit anders und in einem anderen Kontext interpretiert werden, bringt sie nicht in Vergessenheit. Im Gegenteil. Sie erneuert sich dadurch immer wieder selbst und ermöglich den Werken der Renaissance ihre eigenen Visionen zu entwickeln. Diese ständige Schöpfung und Neuinterpretation schafft eine unendliche Kette künstlerischer Produktion. Auch moderne Technologien haben dazu beigetragen, Kunst unsterblich zu machen, indem sie ihre Verbreitung und Erhaltung ermöglichen. Digitale Reproduktionen, Virtual Reality und andere technologische Fortschritte haben es ermöglicht, Kunstwerke weltweit zugänglich zu machen und ihre Zerstörung oder den Verlust zu verhindern. Werke, die früher nur einem kleinen Publikum zugänglich waren, sind heute in Sekunden für Milliarden von Menschen erreichbar, was ihre Relevanz und ihren Einfluss auf die Menschheit sicherstellt. Das Kunst nun durch neuronale Schnittstellen erfahrbar und fühlbar ist, ist eine große Errungenschaft im 22igsten Jahrhundert. So kann man Freiheit zum Beispiel nicht nur theoretisch begreifen, sondern auch fühlen. Sie ist Hoffnung und Wiederstand in einer kalt gewordenen überfüllten Welt. Sie verbindet Menschen miteinander. Das Gemälde einer Landschaft kann sich wie ein Kurzurlaub anfühlen, wenn man sich mit neuralen Schnittstellen mit ihm verbindet. Es gab jedoch in der Vergangenheit Kritik daran zu erkennen, was wahr ist. Dadurch leidet auch die Kunst, denn es gibt Kunstkenner, die behaupten, nichts in diesen Bildern wäre wahr, sondern es wäre auch nur der Versuch einer Manipulation. So bedarf es dem Wissen vergangener Generationen, um herauszufinden, ob es die dargestellte Landschaft, mit all Ihren Gerüchen, so auch wirklich existierte, oder nur die Erfindung einer Künstlichen Intelligenz war, die aus allen gesammelten Daten, neue Mixtouren als neue oder sogar die einzige zulässige Wahrheit festzulegen. Diese Daten wurden nicht ungefragt erhoben, jedoch waren die Mittel dazu oft so verschleiert, dass die meisten Menschen sich nicht wirklich darüber bewusst waren, dass Ihre Ideen, Fragen, abgehörte Gespräche oder die ununterbrochene Übermittlung der eigenen Standorte nicht nur zum Generieren personalisierter Werbung verwendet wurde. Immer trüber wurde das Meer der Fakten. Und so kam es, dass ein altes Gemälde der expressionistischen Landschaftsmaler einen enormen Wert entwickelte. Es zeigte etwas Unbezahlbares. Die Wahrheit. Viele Menschen gab die Kunst neue Hoffnung. Vielleicht auch, weil sie nun Einzug in verlassene Kirchen hielt. Religionen spielen 2146 keine großen Rollen mehr und so hat Kunst nun auch viele symbolische Aspekte. Hier in den Kirchen hat man auch den benötigten Platz, denn eine Verbindung mit einem Bild kann große emotionale Reaktionen auslösen, die man gerne etwas privater ausleben und nicht zur Schau stellen möchte. In dieser besonderen Aura kann die schon immer dagewesene Verbundenheit von Kunst und Spiritualität gefördert werden. Viel an Kunst wurde auch direkt in den Kirchen oder großen Gebäuden geschaffen. Es hat etwas mystisches, denn Künstler hatten sich durch alle Jahrhunderte hinweg schon immer mit existenziellen Fragen wie Glauben, Transzendenz und der menschlichen Seele auseinandergesetzt. Die Kunst in diesen Räumen kann damit eine Brücke zwischen dem Sakralen und dem Profanen schlagen.

Die Gemeinschaft wird so wiederbelebt und man verlässt das Haus um in eine Kirche, bzw. um an einen Ort der Kunst zu gehen. Kultur, Ausstellungen und Konzerte sind noch immer eine Möglichkeit der Begegnung mit echter Kreativität. Die Verschmelzung von Wissenschaft und Kunst war so etwas wie eine beginnende, stetig wachsende neue Religion und das kulturelle Erbe wird erhalten. Je technischer die Umwelt wurde, desto mehr verlangte es den Menschen nach Spiritualität. Der Verlust der Natur schuf ein Verlangen, welches die Menschen nicht einordnen und erklären konnten. Man versuchte dieses Loch zu füllen und wunderte sich am Ende doch, dass das Gefühl, dass etwas fehlte, von der ganzen modernen Technologie nicht gestopft werden konnte. Der Mensch war schon lange nicht mehr Teil der Natur, sondern stand außerhalb um sie nach seinen Wünschen zu kontrollieren und zu gestalten. Der Prozess war langsam und schleichend. In der letzten Phase des Sterbens ging es schneller und der Schaden wurde plötzlich für alle sichtbar. Während die Letzten Schamanen noch Kurse gaben, lag die Natur schon in Ihren letzten Zügen und künstliche Intelligenz(KI) bestimmte den Alltag.

Doch sogar in hochmodernen Forschungslaboren, konnte man auf eines nicht verzichten. Menschlichkeit! Die Umgebung war hoch technisiert. Die Arbeit der Wissenschaftler war zu jeder Zeit nur unter hoher Konzentration möglich. Die Wände waren durch Nanotechnologie anpassungsfähig und so konnten sich die Räume in jeden Raum verwandeln, den man gerade benötigte. Konferenzraum oder Biochemielabor. Man konnte nun auch Versuche in Schwerelosigkeit durchführen, so funktional konnten die Labore angepasst werden. Auch hier unter der Kontrolle von Künstlicher Intelligenz und Quantencomputern. Was früher technische Assistenten mühsam abarbeiteten, wird jetzt von autonomen Robotern erledigt, in immer weniger Zeit. 3D und 4D-Drucker stellen autonom benötigte Materialien wie Zellen und Organismen her. Die Forscher arbeiten mit holographischen Interfaces in deren Welten Sie Daten direkt manipulieren können. In einer Virtual und Augmented Reality können nebenbei Tests simuliert werden, deren Ergebnisse in die realen Experimente einfließen. Genetik, Biotechnologie und Nanotechnologie können alles beeinflussen, was man beeinflussen möchte. Auch den Bau von Strukturen auf Molekularer Ebene. Im Grunde kann man herstellen, was man möchte. Das Herstellen von Lebewesen war einfacher, als sie zu verändern. Es entwickelte sich ein Menschenschutzgesetz, so wie sich früher nach den Vivisektionen langsam aber sicher um 1800 das Tierschutzgesetz entwickelt hatte. Der erste Paragraph, der Anno 1972 verfasst wurde, wurde fast 1 zu 1 übernommen. „Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für den Menschen als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Menschen ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Hierzu musste neu definiert werden, wann ein Mensch noch als Mensch gilt. Manche meinen, wenn ein persönlichkeitsveränderndes Gehirnimplantat zusätzlich zu mind. 3 künstlichen Gliedmaßen besteht, wäre man schon einem robotischem System zuzuordnen. Die genaue Definition ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Man darf gespannt sein. Auch steht noch aus, was ein ausreichend vernünftiger Grund ist, dass ein Mensch oder ein Roboter einem Menschen, zum Beispiel, Schmerzen zufügen darf. Im Moment stehen die kleinen Stromstöße, bei Ignorierung von Werbung aller Art extrem unter Beschuss. Die Industrie wehrt sich mit dem Vorwurf, dieser Schmerz wäre kaum wahrzunehmen, man sei sich nicht sicher, ob man das überhaupt zu Schmerz zählen könnte oder ob „temporäre Missempfindung“ nicht passender wäre. In den Laboren überwachen Biosensoren die Wissenschaftler hinsichtlich Ihrer Gesundheit vor allem den Stresspegel. Sie sollen für gute Arbeitsbedingungen sorgen, aber es hat sich nicht geändert, dass man zum Gefallen seiner Vorgesetze oder Firma, oder auch für das eigene Vorrankommen, die Sensoren auf mehr Leistung manipulieren kann und so die ein oder andere Ruhepause aussetzt. Menschen in Form von Forschungs-Assistenten kommen immer dann zum Einsatz, wenn kreative Lösungen gefunden werden müssen. Immer dann, wenn plötzlich ein Problem auftrat, welches von einem robotischen System oder von einer KI nicht gelöst werden kann. Menschen können noch immer intuitiv auf Probleme reagieren und Probleme hinterfragen. Außerdem warten sie fast alles, was an Technik im Labor vorkommt. Dazu bedarf es einer hochwertigen Ausbildung. Daraus ergibt sich, dass alle im Labor auf einem hohen Bildungsniveau sind und Fachkenntnisse noch immer ein wertvolles Gut sind. Auch die Kommunikation bleibt ein wichtiger Bestandteil in der Wissenschaft. Der Austausch mit anderen Disziplinen und Standorten, besonders aber mit anderen Wissenschaftlern ist noch immer eine Sache des „miteinander Redens“. So halten die Assistenten die Teamfähigkeit in einer Welt aufrecht, in der jeder doch sein eigenes Süppchen kocht. Das soziale Interagieren in einem Team ist jetzt wichtiger denn je. Die Ausbildung und das heranführen an neue Technologien ist noch immer ein guter Grund für die Interaktion zwischen Menschen. Das System Lehrer und Schüler findet hier noch einen Sinn. Das Wohlbefinden der Wissenschaftler hängt in großen Anteilen an den sozialen Strukturen in einem Team. Das hat sich nicht geändert.

Dass man gemalte Bilder mit neuronalen Schnittstellen vernetzen kann, war nicht die Idee der Künstler. Sie kam aus der Wissenschaft. Das Projekt war eher ein Spaßprojekt und sollte der Ablenkung des Personals dienen. Es sollte den Wissenschaftlern eine Auszeit verpassen. Es reichte nicht mehr, Erinnerungen in Form eines Urlaubes zu implantieren, denn diese Technologie kam in Verruf, als sich herausstellte, dass implantierte Erinnerungen sich nicht wieder vergessen lassen. Menschen hatten aber in den letzten 100 Jahren Ihr Recht auf das Vergessen hart erkämpft und es wurde im Menschenschutzgesetz verankert. Später dann, erhielt das Projekt den Nobelpreis in der Medizin, der nun endlich seinen Weg nach Düsseldorf fand. Das Projekt wurde für Milliarden von Menschen zugänglich.

Wer sich nicht für Kunst interessiert, vergnügt sich mit „NEWRO“. Es ist ein Spiel, das Körper, Geist und Nervensystem der Spieler auf eine Weise miteinander verbindet, die süchtig macht. Es ist ein globales Phänomen mit Millionen von Anhängern und einer intensiven Wettbewerbslandschaft mit Vereinen, Meisterschaften und Weltmeisterschaften. Bei diesem Hochgeschwindigkeitsspiel, müssen die Spieler ihre physischen Fähigkeiten mit ihrem Gehirn synchronisieren. Es fordert die perfekte Balance zwischen körperlicher Beweglichkeit, schneller Entscheidungsfindung und mentaler Reaktion. Spieler treten in einer Arena gegeneinander an, die ihre Reflexe und strategischen Fähigkeiten auf die Probe stellt, während sie mit einem Neuro-Interface verbunden sind, das ihre Bewegungen und Gedanken synchronisiert. Das Ziel des Spiels ist es, durch das Sammeln von künstlichen Blumen und dem Ausweichen oder Eliminieren von Gegnern, Punkte zu erzielen. Alles passiert in einer Arena, die sich ständig verändert und neue Herausforderungen bietet.

Sie ist eine massive, schwebende, holographische Plattform. Die Umgebung ist in ständiger Bewegung: Wände, Hindernisse und Plattformen erscheinen und verschwinden in einem rhythmischen Muster. Die Spieler tragen spezielle Anzüge, die es ihnen ermöglichen, in dieser Arena zu sprinten, zu springen, zu gleiten und sich in der Luft zu bewegen. Der Clou ist jedoch das Interface, welches direkt mit den neuronalen Impulsen des Gehirns der Spieler verbunden ist. Das wird ermöglicht, indem die Spieler ein spezielles Stirnband tragen, das mit ihrem Nervensystem verbunden ist. Dieses Interface liest die Gehirnwellen der Spieler und übersetzt ihre Gedanken und Impulse direkt in Bewegungen und Aktionen auf dem Spielfeld. Je schneller ein Spieler denkt und handelt, desto effektiver bewegt er sich. Das Spiel erfordert extreme Reflexe. Wenn ein Spieler eine Blume entdeckt, muss er nicht nur körperlich darauf zusteuern, sondern auch strategisch darüber nachdenken, ob er es schafft, bevor sich die Umgebung ändert oder Gegner ihn abfangen. Schnellere Denker haben einen Vorteil, aber vorschnelle Entscheidungen können zu Fehlern führen. Das Spiel wird in Echtzeit gespielt und ist ein Grund, die eigenen Vier Wände zu verlassen.

   Spieler treten entweder im Einzelspielermodus oder in Teams an. Das Spiel ermöglicht es, gegen Freunde, Rivalen oder globale Top-Spieler anzutreten, was zu einem ständigen Wettbewerb und einem intensiven Drang führt, der Beste zu sein. Es gibt auf globaler Ebene eine Liga, in der die besten Spieler der Welt gegeneinander antreten. Diese Events sind weltweit beliebt und ziehen Millionen von Zuschauern an, ähnlich wie damals Fußball. Die Spiele werden live übertragen. Spieler entwickeln im Laufe der Zeit spezifische „Marken“ oder Stile, indem sie bestimmte neuronale Fähigkeiten bevorzugen und ihre Bewegungsstrategien verfeinern. Das Spiel hat das Potential der größte Hype des 22igsten Jahrhunderts zu werden.

Die benötigte Energie um ein Leben in der Gegenwart überhaupt zu ermöglichen wurde aus mehreren Quellen gewonnen. Zuerst setzte man auf falsche Pferde, wie Wind und Gezeiten-Energie und künstliche Photosynthese. Doch die wichtigsten Meeresströmungen und Winde kamen durcheinander und fast zum Erliegen. Wetter-Phänomene bleiben jetzt über Monate erhalten und sorgen für große Dürren. Man braucht die Gewächshäuser für die Ernährung der Menschen und die Windräder drehen sich nur noch selten, auch, wenn sie nicht abgebaut wurden und noch immer überall in der Landschaft stehen. Sonnenenergie wurde lange vernachlässigt, weil eine dichte Wolkendecke die direkte Sonne verbarg. Erst als man über den Wolken Installationen anbrachte, konnte man die Sonne wieder nutzen. Die meiste genutzte Energie ist Fusionsenergie, die im Grunde die Sonne nachahmt, indem sie Wasserstoffkerne zu Helium verschmelzt ohne Abfallprodukte außer einer kleinen Menge Radioaktiver Produkte. Dies ist jedoch nicht zu vergleichen mit Atomarer Energie, die auf Kernspaltung beruht. Hierbei wird der Atomkern eines schweren Elements, wie Uran-235 oder Plutonium-239, gespalten. Durch die Spaltung des Kerns entstehen zwei kleinere Kerne sowie Neutronen und eine große Menge Energie. Die freigesetzten Neutronen können weitere Spaltungen in anderen Kernen auslösen, was zu einer Kettenreaktion führt. Der atomare Abfall ist ein Problem, welches man noch vergrößerte, weil man plötzlich alle Atomkraftwerke wieder anschaltete und noch Neue errichtete, als klar wurde, dass fossile Brennstoffe nicht reichen würden und deren Verbrennung mit dem Klimaziel nicht mehr zu vereinbaren waren. Die Massen an atomaren Abfall sind nun auf dem Mond. Man konnte nicht mehr dafür garantieren, dass er weiterhin ohne Supergaus hervorzurufen auf dem Grund der Ozeane oder in Höhlen gelagert wurde. Die Meeresbewohner hatten teilweise die vermeintlich fest verankerten Behältnisse wieder an den Strand geworfen. Mit der Kernfusion wurden auch neue Energiespeicher-Technologien entwickelt und man hat nun leistungsfähige Batterien zur Verfügung, die immer wieder neu geladen werden können und nur dann Energie freisetzen, wenn man sie benötigt. Damit ist das Energieproblem nun endlich gelöst. Die neue Technologie kam aus Indien. Europa hatte in diesem Kopf an Kopf-Rennen im globalen Wettbewerb der Lösung des Energieproblems das Nachsehen.

Der ganz normale Wahnsinn des alltäglichen Lebens der Menschen ist noch immer von Emotionen und Bedürfnissen bestimmt. Unter anderem Bedürfnissen wie Wohlstand und Zufriedenheit, was auch immer das für den Einzelnen bedeutet. Doch nicht immer werden dazu legale Mittel genutzt!

 

 

 

 

 

 

Kapitel 1       Im Datenrausch ein Flüstern: Mord!

 

„Das… das ist nicht OK“, flüsterte Victor, während der Druck auf seine Schläfen immer größer wurde. Er versuchte, die Verbindung zu lösen, doch seine Finger gehorchten ihm nicht mehr. Er fühlte, wie sich seine Gedanken vernebelten, seine Atmung beschleunigte und sein Herz in einen unregelmäßigen, schmerzhaften Rhythmus verfiel.

Zuvor hatte er noch einen Sicherheitscheck getätigt und alles schien in Ordnung zu sein.

Aber jetzt fühlte es sich falsch an. Ein leichtes Flackern durchzog das Gemälde, das Victor vorher nicht bemerkt hatte. Seine Augen weiteten sich, als er plötzlich das Gefühl hatte, von dem Bild regelrecht verschluckt zu werden. Die neuralen Impulse, die er durch die Schnittstelle empfing, wurden intensiver, wilder. Seine Hand zitterte, das Glas fiel zu Boden und zerbrach in tausend Stücke. In den Scherben spiegelten sich die leuchtenden Farben des flackernden Bildes auf dem Boden und schienen ebenfalls zu vibrieren.

Plötzlich verschwand das Licht im Raum, und „La Vie“ begann, sich zu verzerren. Es wirkte, als würde sich das Gemälde gegen Victor wehren, als wäre es lebendig. Ein tiefes, unnatürliches Summen, fast Knurren, erfüllte die Luft, und Victor spürte, wie seine Sinne sich langsam auflösten. Seine letzten Gedanken waren nicht mehr seine eigenen – er spürte etwas Fremdes, etwas Dunkles, das sich in seinen Verstand schlich. Der Puls raste und er fühlte einen stechenden Schmerz in seinen Augen. Ein leises Lächeln zuckte über seine Lippen, als die Welt um ihn herum still wurde. Dann brach er zusammen. Der Monitor, der seine neuralen Impulse überwachte, zeigte nur noch eine flache Linie und ein Warnton erfüllt den Raum.

Eine Stunde später kam die Haushälterin, um Victor zu wecken. Sie schrie auf, als sie seinen leblosen Körper im Sessel fand, das Gemälde „La Vie“ noch immer über ihm schwebend, und doch wirkte es anders. Die Farben waren intensiver, die Formen schärfer, fast bedrohlich. Sie kannte das Bild gut, denn regelmäßig wurde es von ihr vorsichtig entstaubt. Und da war etwas Neues aufgetaucht: Ein feiner roter Punkt in der unteren Ecke des Bildes, wie ein Tropfen Blut, der dort vorher nicht gewesen war.

Die Polizei traf schnell ein. Der Tatort, falls es einer sein würde, wurde schnell gesichert. Doch nichts wies darauf hin. Weder Einbruchspuren noch Unordnung. Kein offensichtlicher Kampf, keine Verletzungen. Der Monitor zeigte an, dass sein Gehirn plötzlich überlastet worden war. Aber warum und falls es ein Mord war, wer sollte seine neuronale Verbindung manipuliert haben? Zunächst sah es aus wie ein technischer Defekt.

Doch jemand wusste Bescheid. In der dunklen Ecke des Raumes schimmerte ein kleines rotes Licht an einem versteckten Gerät – ein Überwachungsimplantat, das jede Sekunde aufgezeichnet hatte. Jemand hatte zugesehen. Und dieser Jemand war bereit, das Spiel weiterzuführen.

Das Gemälde „La vie“ zeigt eine weite Heidelandschaft, die das Leben in all seinen Zyklen und Rhythmen widerspiegelt. Der erdige Boden ist mit einem endlosen Teppich aus violetten Heidekrautblüten bedeckt, der sich wie ein Ozean aus Farben von Rosa bis Violett, bis zum Horizont erstreckt. Zwischendurch leuchten goldene Gräser, die im sanften Wind wiegen, während zerklüftete, graue Felsen aus dem Boden ragen, ihre Oberflächen von Moos und Flechten bedeckt, Symbole der Unvergänglichkeit.

Der Himmel darüber ist ein Spektakel der Dämmerung: Ein sanfter Farbverlauf von zartem Rosa und Lavendel im Osten, der in ein tiefes, dunkles Blau übergeht, durchzogen von leuchtenden Sternen, die am frühen Abendhimmel erwachen. Ein milchiger Nebel zieht durch die Heide, als würde die Erde selbst ihren Atem freigeben, während die Sonne tief am Horizont steht und die Szene in warmes, goldenes Licht taucht. Die goldene Stunde.

Die Tierwelt ist in das Bild fein verwoben und symbolisiert den Kreislauf des Lebens. Am Rand der Heide streifen einige Rehe durch die violette Blütenpracht, ihre sanften Augen wachsam, ihre Bewegungen elegant und ruhig. Ein Fuchs schleicht leise durch das hohe Gras, sein rotbraunes Fell und sein buschiger Schwanz mit der weißen Spitze leuchtet im Abendlicht, während er die reiche Natur um sich herum erkundet. In der Luft schweben Libellen mit schimmernden Flügeln in Türkis, Blau und Grün, die im Sonnenlicht wie kleine Edelsteine glitzern, und weiter oben kreist ein Bussard majestätisch, seine scharfen Augen auf die Landschaft gerichtet. Man hört seinen leisen hohen Schrei.

Am Rande der Szene, unter einem alten, knorrigen Baum, dessen Äste wie Arme in den Himmel ragen, sieht man mehrere Großfamilien von Kaninchen, die sich in ihren Bau auf einer großen hügeligen Wiese zurückziehen. Ihre Anwesenheit zeugt von der ständigen Erneuerung des Lebens, das im Schutz der Natur pulsiert. Aber auch vom Kreislauf des Fressens und gefressen werden.

Diese Heidelandschaft ist ein Sinnbild des Lebens – ruhig und wild zugleich, voller Schönheit und Zerbrechlichkeit. Die Farben der Heide und des Himmels verschmelzen miteinander und spiegeln die unendliche Harmonie wider, in der sich das Leben entfaltet. "La vie" erzählt in dieser Szene von der Balance zwischen den stillen Momenten des Friedens und der dynamischen Energie, die in jedem Lebewesen pulsiert. Jetzt, da Niemand mehr mit dem Bild verbunden war, sah es sehr friedlich aus. Eine trügerische Annahme.

Victor wusste, dass er sterben musste. Er hatte zu viel gesehen, zu viel gewusst und stand einer mächtigen Organisation im Weg, die entschlossen war, die Kontrolle über die Geheimnisse des Gebiets um die ganze Sandheide mitsamt seinem Mittelpunkt, des Sandheider Marktes, zu übernehmen. Doch anstatt wegzulaufen, stellte er sich seinem Schicksal. Er war kein naiver Mann – er wusste, dass seine Tage gezählt waren, sobald er begann, sich gegen die Interessen dieser mächtigen Gruppe zu stellen. Doch er entschied sich, diesen letzten Schritt zu gehen, um die Zukunft der Erde zu sichern. Er gab sich als Opfer hin, wissend, dass sein Tod ein Katalysator sein könnte, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Das Bild wurde beschlagnahmt!

Er hinterließ verschlüsselte Hinweise in den Kunstwerken in seinem Besitz, welche er gesammelt hatte, in seinen Notizen und in den verschlungenen Beziehungen zu den Menschen in der Sandheide. Diese Hinweise sollten zu seiner Entdeckung und letztlich zur Enthüllung der Wahrheit führen. Victor Adler wusste, dass er seine eigene Zukunft nicht retten konnte, aber er glaubte fest daran, dass er durch seinen Tod die Rettung für die Menschheit einleiten würde.

In seinem letzten Atemzug wusste Victor, dass er nicht nur ein Opfer war, sondern der Funke, der eine viel größere Veränderung in Gang setzen würde. Er ging bewusst und mutig in den Tod, nicht als einfacher Mann, sondern als Märtyrer – ein Mann, der sich für das Wohl der Erde und ihrer letzten Geheimnisse geopfert hat. Mit dieser Annahme sollte er jedoch scheitern.

Er, ein wohlhabender Kunstsammler und Mäzen aus den oberen Kreisen Düsseldorfs, der unter mysteriösen Umständen stirbt, war eben doch mehr als ein wohlhabender Kunstsammler und angesehener Mäzen. Er war einst einer der einflussreichsten Männer Düsseldorfs. Seine Verbindung zur Sandheide blieb den meisten Menschen verborgen. Trotz seines Reichtums und seiner Macht zog es ihn immer wieder in den vernachlässigten Stadtteil, wo die Vergangenheit und die Zukunft auf merkwürdige Weise ineinandergriffen. Sein moralisches Gewissen litt unter einer geheimen Mission. Er war ein Hüter eines uralten Geheimnisses des Sandheider Markts, das weit in die Vergangenheit und tief in die düsteren Kapitel wissenschaftlicher Machenschaften reichte.

Seine Familie, einst eine der ursprünglichen Bewohner des Sandheider Markt, war in der Zeit der Vertreibung und des Baus der wissenschaftlichen Forschungszentren, die den Stadtteil verschlangen, schwer getroffen worden. Die Adler hatten nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre Identität verloren. Victor, der in den höchsten Kreisen der Gesellschaft aufwuchs, konnte nie vergessen, woher er kam und welche Ungerechtigkeiten seiner Familie widerfahren waren. In den Augen der anderen war er ein reicher Kunstsammler, aber tief in seinem Inneren trug er die Last eines Erbes, das mit Schuld und Verantwortung aufgeladen war.

Adler wurde von der dunklen Wahrheit eingeholt: Die gleichen Technologien, die die Menschheit retten könnten, könnten auch ihre Zerstörung beschleunigen. Die mächtigen Interessen, die seine Forschungen zunächst unterstützt hatten, wollten diese Entdeckungen für ihre eigenen egoistischen Zwecke verwenden. Adler wusste, dass in der Sandheide mehr verborgen war als nur verlorene Geschichten und vergessene Menschen.

 

Die Haushälterin starrte starr vor Angst auf das schwebende Bild über Victors leblosen Körper. Sie wusste, dass sie nichts verändern durfte und ihr Herz schlug bis in den Hals. Der Tatort wurde sofort mit einer Drohne überwacht. Eine metallene Stimme erklang aus Richtung der Drohne und stellte Ihr Fragen. „In welcher Beziehung standen Sie zu ihm?“ Sie antwortete noch unter Schock. „Ich bin, ähm, war, seine Haushälterin seit, sie überlegte kurz, seit 15 Jahren. „Glauben Sie, dass er sich selbst das Leben genommen hat?“. „Nein, das kann ich nicht glauben!“ Sie schüttelt energisch den Kopf.